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06.04.2017


Selektivverträge im Südwesten weiter auf Wachstumskurs: 2016 über eine halbe Milliarde Euro an ärztlicher Vergütung

Auch 2016 sind die alternativen Hausarzt- und Facharztverträge in Baden-Württemberg weiter auf Expansionskurs geblieben. Die Gesamtvergütung der mittlerweile über 5.600 teilnehmenden Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten überschritt erstmalig die 500-Millionen-Euro-Marke. Vier Fünftel davon entfallen auf den bundesweit ersten HZV-Vertrag nach § 73b SGB V, gut 100 Millionen Euro auf die dynamisch wachsenden Facharztverträge. Die Vertragspartner erwarten auch 2017 eine kontinuierliche Steigerung der teilnehmenden Versicherten und Ärzte. Dazu trägt der im letzten Herbst gestartete fünfte Facharztvertrag für Urologie bei. Zu zwei neuen Krankheitsbildern, Diabetologie und Rheumatologie, wird derzeit abschließend verhandelt.


Mit der Entwicklung der Selektivverträge im neunten Jahr sind die AOK Baden-Württemberg, die Bosch BKK, MEDI Baden-Württemberg, der Hausärzteverband und die fachärztlichen Berufsverbände zufrieden. Ende 2016 gab es rund 80.000 neue HZV-Versicherte unter den insgesamt 1,44 Millionen Teilnehmern. Das sind rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Mittlerweile profitiert mehr als jeder Dritte der über 4,2 Millionen AOK-Versicherten unmittelbar von den Vorteilen der hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Im gemeinsamen FacharztProgramm von AOK und Bosch BKK stieg die Anzahl eingeschriebener Versicherter 2016 um 15 Prozent auf 529.000 gegenüber dem Vorjahr.


Das Honorarvolumen für die HZV lag bei der AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr bereits bei 400 Millionen Euro (+ 5,8 %). Im gemeinsamen FacharztProgramm stieg das Abrechnungsvolumen sogar um 18,3 Prozent auf rund 101 Millionen Euro. Die Gesamtvergütung überschritt damit erstmalig die 500-Millionen-Euro-Marke (+ 8,1 %). Die Zahlen bestätigen die Vertragspartner auf ihrem Weg einer umfassenden qualitätsorientierten ambulanten Vollversorgung als Alternative zur hergebrachten Regelversorgung. „Das ist hervorragend investiertes Geld, nämlich in eine nachweislich bessere Versorgung“, so der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann. „Wir sind eine stark wachsende Krankenkasse und von den neuen Versicherten steigen immer 10 bis 15 Prozent direkt in die Selektivverträge ein. Die Vermutung liegt nahe, dass sie auch zu uns kommen, um an dieser besseren Versorgung teilhaben zu können.”


Die Zahl der am HZV-Programm teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte ist 2016 auf hohem Niveau bei rund 4.000 konstant geblieben, was auf den weiteren Zuwachs bei Kinder- und Jugendärzten zurückzuführen ist. Altersbedingte Abgänge konnten durch Neuteilnahmen nicht ganz ausgeglichen werden. In Baden-Württemberg werden in den nächsten fünf Jahren weitere 1.600 Hausärzte aus dem Berufsleben ausscheiden. Das Thema Praxisnachfolge bleibt daher auch für die HZV eine zentrale Herausforderung. Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, ist dennoch optimistisch: „Dank der besseren wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen durch die HZV sowie der Initiative Perspektive Hausarzt BW ist inzwischen eine Trendwende erkennbar.“ Das zeige sich auch in der kontinuierlichen Zunahme der Facharztprüfungen in der Allgemeinmedizin in Baden-Württemberg und der steigenden Zahl angestellter Ärztinnen und Ärzte.


Zu dem 2010 gestarteten und laufend erweiterten FacharztProgramm gehören mittlerweile fünf Facharztverträge. Dort stieg die Gesamtteilnehmerzahl der Ärzte und Psychotherapeuten 2016 auf 1.699 an. Das entspricht einem Plus von 15,5 Prozent. Jüngster Spross ist der im Oktober gestartete Vertrag für Urologie mit derzeit rund 150 Teilnehmern. „Zu der positiven Entwicklung haben auch 2016 wieder alle Facharztverträge beigetragen“, so Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland. „Die Selektivverträge mit festen Preisen und besserer Bezahlung bieten Planungssicherheit und stellen für die teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten deshalb ein unverzichtbares unternehmerisches Standbein dar“, betont Baumgärtner.


Abb.: Entwicklung der AOK-Selektivverträge in Baden-Württemberg

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